Ich habe vorhin noch "Der Sturm" geschaut.
Ich kenne den Film, trotzdem wühlt er mich immer wieder auf.
Dabei musste ich an ein Erlebnis denken, was ich vor 10 Jahren hatte.
Mit zwei Freundinnen bin ich nach Bali geflogen.
Wir wollten es uns 3 Wochen lang gut gehen lassen, die Sonne genießen, am Strand rumlungern und das Land erkunden.
Für die ersten Nächte hatten wir eine Hütte in Legian gebucht, da wo der meiste Trubel war. Am nächsten Tag haben wir uns zum Strand aufgemacht. Ein herrlicher Strand.
Während wir so lagen und dösten, hat eine der Freundinnen vorgelesen, dass die Strömung hier sehr gefährlich sei und jedes Jahr viele Menschen ertrinken.
Das habe ich zur Kenntnis genommen bevor ich ins Wasser ging.
Der indische Ozean ist gewaltig und es macht Spass, mit den Wellen zu spielen. Völlig selbstvergessen habe ich das auch genossen. Als ich auf einmal in Richtung Strand schaute, war dieser weit weg.
Ich sah nur winzige Menschen und bekam einen Riesenschreck. Ich habe es nicht gemerkt, ich hätte schwören können, ich wäre noch in Strandnähe.
Ich merkte, wie mich das Meer hinauszog, ohne dass ich was dagegen machen konnte. Panik erfasste mich und liess mich erst einmal vor Angst stocksteif werden.
Mein erster Gedanke: Nach vorn! Also paddelte ich wie eine Wilde in Richtung Strand. Die Wellen schlugen mir ins Gesicht, über den Kopf zusammen und ich verlor die Orientierung.
Nie hätte ich geglaubt, dass man nicht mehr weiß ob man in Richtung Strand oder Meer schwimmt.
Mein Haarband löste sich und wurde ins offene Meer getragen. Ich hatte Angst und wollte weinen.
Auf einmal war alles um mich herum ruhig und ich dachte "Egal, dann ertrinke ich eben hier."
Mein Willen zu überleben was stärker. "Nein, du ertrinkst jetzt hier nicht. Das kann gar nicht sein." Heulen raubt Energie.
Auf einmal arbeitete nur noch mein Kopf. Was tun? Ich wartete ab, bis es wieder einen Schub nach vorn gab und schwamm kräftig mit, unter Wasser, damit ich möglichst wenig Widerstand darbot. Sobald es wieder einen Sog gab, kämpfte ich dagegen an.
Auf einmal hatte ich nur einen Gedanken: Raus hier!
Ich kämpfte, schluckte Wasser, hustete und gewann.
Igendwann war ich am Ufer angelangt. Völlig erschöpft. Und keiner hat bemerkt, wie ich um mein Leben kämpfte.
Es gab auch keine Strandaufsicht. Ich kam ca. 200 Meter aus dem Wasser, als ich hinein gegangen war.
Nachdem ich mich ausgeruht hatte, musste ich erst meine Freundinnen suchen. Die lagen nichtsahnend in der Sonne und begrüßten mich mit den Worten: "Wo warst Du so lange?" Ich jammerte: "Ich wäre fast ertrunken!"
Freundin I. sagte zu Freundin G.:"Siehst Du, ich habs Dir doch gesagt! Der Kopf von der Bea geht immer so komisch rauf und runter, nicht das die ertrinkt!" "Hab ich doch vorgelesen, wie gefährlich es hier ist, oder nicht." sagte G. und damit war für sie der Fall erledigt.
Ich war ein wenig entsetzt, dass die beiden das so wenig Ernst genommen haben.
Eine woche später, an einem anderen Strand, ertrank fast ein kleiner Junge. Australische Jungs haben ihn gerettet.
Die Strandverkäuferin erzählte, dass erst vor einer Woche ein Mann ertrunken war, während der Flitterwochen.
Das Meer erschein harmlos, aber die Strömung wäre unberechenbar.
Bis heute vermeide ich es, ins tiefe Wasser zu gehen.